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1. Februar 2007

Autofarben im Wandel der Zeit

Nichts ist emotionaler als die Farbe des Autos. Sie ist Ausdruck des persönlichen Geschmacks, zeigt ein bestimmtes Marken-Image oder unterstreicht den aktuellen Zeitgeist. Neben rationalen spielen auch ökonomische Gründe beim Wiederverkauf eine Rolle bei der Farbwahl. Wir werfen einen Blick in die Farbenlehre und zeigen künftige Trends.

 

su. Auch im Autojahr 2007 wird sich das altbekannte Bild auf den Strassen nicht ändern: Silber wird seine Favoritenrolle behalten. Mittlerweile glänzen über 40% aller neu zugelassenen Automobile im Edelmetall-Lack. Bei Mercedes-Benz kommt die Farbe - nicht zuletzt wegen der Reminiszenz an den Motorsport ("Silberpfeile") - sogar auf einen Marktanteil von über 50 Prozent. Die Vorliebe der Autofahrer nach Silber war ursprünglich Ausdruck von Faszination der modernen Hightechwelt mit ihren Innovationen und technologischen Spitzenprodukten. Auch heute gilt die Farbe immer noch als modern und zukunftsorientiert - allerdings nicht uneingeschränkt. In den USA wird der Lack in Zukunft immer seltener silbern sein. "Die Menschen haben das Platzen der Technologieblase, den Schrecken von Terroranschlägen und den Beginn der Rezession miterlebt. Blau wird Silber ablösen, weil die Farbe für Beständigkeit steht", prophezeit der amerikanische Farbexperte Jon Hall.[1]

 

 

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Verteidigt seine Favoritenrolle auch im neuen Jahr: Silber.

 

 

Blau ist seit Jahren eine sehr gefragte Farbe, die nur wenig Schwankungen verzeichnet. Mit einem Marktanteil von über 20% ist sie in der Käufergunst über die Jahre gesehen so fest verankert, wie keine andere Farbe. Hellblau drückt Reinlichkeit, Jugendlichkeit und Hoffnung aus. Dunkelblau vermittelt Solidität, Eleganz und Beständigkeit. Blau wirkt im Vergleich zu Schwarz und dem kühlen, metallischen Silber freundlicher und weniger behäbig.

 

Bei den Autokäufern hat sich das Bild der dunklen, eleganten Limousine als begehrenswert festgesetzt. So überrascht es nicht, dass gedeckte Farben wie Schwarz und Dunkelblau zusammen gerechnet den gleichen Marktanteil wie Silber erreichen. Die zurückhaltenden Farben treffen vor allem den Geschmack jüngerer Käufer (Altersklasse bis 40 Jahre), während ältere Autokäufer eher Silber bevorzugen. Schwarz ist eine klassische, vornehme Farbe und Ausdruck von Understatement und Status.

 

Allzu schwerfällig wahrgenommene dunkle Fahrzeuge können mit hellen Interieurtönen aufgewertet werden. Eine schwarze Karosserie kombiniert mit rotem Interieur wirkt feurig und frech. Blau wirkt beruhigend und jugendlich. Ein sportliches Gelb als Interieurfarbe ist auffallend, fröhlich und kontaktfreudig. Hellgrau gilt als dezent und elegant. Dasselbe trifft für helle Beige- und Brauntöne zu, die eine Spur wärmer tendieren.

 

  

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Bilden einen Ausgleich zu dunklen Lacken: helle Interieur-
farben.

 

 

Generell zu beobachten ist: Je grösser das Fahrzeug, desto dunkler wird das Bild. Einzig bei Cabriolets und offenen Roadstern sieht es anders aus. Dort sind die Leute eher bereit, bunte Farben zu nehmen. Dass das nicht für alle Cabrios gilt, zeigen die Beispiele Volkswagen und Mercedes: Rund die Hälfte aller offenen New Beetle rollt schwarz heran, und beim Mercedes-Benz SLK ist Silber die populärste Farbe. [2]

 

Auf der Beliebtheitsskala der traditionellen Farben belegt Rot vor Weiss den zweitletzten Platz. Heute entscheiden sich nur knapp 6% aller Käufer für die Signalfarbe. Vor 10 Jahren waren es mit 28,5% fast fünf Mal so viele. Rot ist die sportlichste aller Farben. Sie wirkt frech und schnell, wird im Vergleich zu Gelb aber als schwerer wahrgenommen. Um den Abwärtstrend der Farbe Rot zu brechen oder zumindest zu verlangsamen, setzen die Produzenten bei den Highclass-Limousinen auf elegante, dunkelrote Farbtöne mit leichtem Blaustich. Sportliche, leuchtende Rot-Töne werden in Zukunft für die kleinen Stadtautos wichtig, sie werden so unser Straßenbild optimistisch und bunter erscheinen lassen.

 

Weiss wird Trendfarbe 2007

 

Galten weisse Autos lange Zeit als unverkäuflich, so erlebt der hellste aller Lacke heute ein Comeback auf den Strassen: Auf den Automobilsalons in Paris und Detroit präsentierten die Hersteller viele ihre Neuheiten mit weisser Lackierung. "Dass ist im Grunde genommen schon eine Revolution. Weiss war lange keine Lackfarbe mehr, die gewünscht wurde - jetzt entwickelt sie sich Stück für Stück zum Trend", sagt der Automobilforscher Ferdinand Dudenhöffer.[3] Bis zur grossen Welle wird es aber noch eine Weile dauern. Gemäss Mark Gutjahr vom Lackhersteller BASF Coatings werden zunächst Luxusmodelle und Sportwagen auf die weisse Farbe umschwenken; erst danach wird sich die Farbe in anderen Klassen ausbreiten. Auch die Händler sind bei der Bestellung der Vorführwagen gern auf der sicheren Seite und stellen im Moment noch lieber ein silbernes Fahrzeug in den Showroom.[3]
 

 

Richtungsweisend: Der Audi S3 in der Trendfarbe Weiss. (Bild: Focus Online)

 

 

Interieurfarben: Kontraste sind wichtig

 

Karosserie und Interieur sind die tragenden Elemente der Fahrzeugoptik – gerade bei offenen Cabriolets oder Roadstern, wo der Blick weit in den Innenraum fällt. Die positive Botschaft, die man mit der Karosseriefarbe vermittelt, kann durch die Interieurfarbe verstärkt oder gemindert werden. Die richtige Farbkombination ist vergleichbar einer Waagschale, die ins Gleichgewicht zu bringen ist. In die linke Schale kommt die Karosseriefarbe, in die rechte die Interieurfarbe. Ein Fahrzeug, das innen und aussen ganz dunkel ist, wirkt unausgewogen, schwerfällig, langweilig. Genauso wie ein Fahrzeug, das innen und aussen hell ist und so keinerlei Kontraste zur Geltung bringt. Ein Spezialfall sind bunte Farben. Mit ihnen sollte man im Interieur wie mit dem Salz in der Küche umgehen: sparsam.

 

Ausgefallen und stilvoll zugleich muss kein Widerspruch sein. Ein schwarzer SLK mit gelber Polsterung würde auf Anhieb wohl nicht jeden begeistern. Die gelbe Farbe ist auffallend, frech und unkonventionell. In Verbindung mit einer gelben Karosserie ginge jedoch die schöne Ästhetik verloren. Wird das schrille, gelbe Interieur aber von einer soliden, dunklen Karosserie ummantelt, dann passt die Optik wieder. Denn der sportive Look im Innenraum erfährt durch die schwarze Karosserie ein passendes Gegengewicht. Das Resultat: ein ultrasportiver Wagen mit klassischem Auftritt.

 

 

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Sportlich und klassisch zugleich: SLK der Baureihe R170 mit Innen-
ausstattungsfarbe Lotosgelb.

 

 

Wiederverkauf: Der Frust mit dem Wertverlust

 

Wenn ein Neuwagen vom Produktionsband läuft, dann spielt es für den Hersteller keine Rolle, welche Farbe aus der Düse spritzt. Egal ob Schwarz, Rot, Gelb oder Weiss. Jede Bemalung des Wagen kostet - abgesehen von den etwas aufwendigeren Metalliclacken - gleich viel. Aber spätestens beim Wiederverkauf kommt der Farbe eine grosse finanzielle Bedeutung zu. Neben der Motorisierung und Ausstattung spielt die Farbe eine wichtige Rolle. Hat der Wagen nämlich die falsche Colorierung, nützt es einem wenig, wenn man teures Geld in Xenonlichter, Lederausstattung und Klimaanlage investiert hat. Der Wagen findet einfach keinen Käufer. Wer also plant, seinen Wagen nach ein paar Jahren wieder zu verkaufen, der sollte sich auch Gedanken darüber machen, was zu befolgen ist, damit sich der Wagen später rasch und möglichst teuer verkaufen lässt. Schwarze, dunkelblaue oder silberne Fahrzeuge sind nach wie vor am beliebtesten und darüber hinaus sehr zeitbeständig. Bunte Fahrzeuge müssen aber nicht zwingend ein Ladenhüter sein. Weil sie so selten angeboten werden, sind sie oftmals schneller wieder vom Hof als ihre schwarzen und silbernen Kollegen, die meist im Dutzend rumstehen.

 

 

[1]  Focus, 08.09.2003

[2]  FAZ, 22.10.2005

[3]  Spiegel Online, 27.12.2006

 

 

 

 
 
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