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9. April 2007

Bruno Sacco: Prägend für das Gesicht
der Marke Mercedes-Benz

"Ein Mercedes-Benz muss immer aussehen wie ein Mercedes-Benz." Bruno Sacco muss es wissen: Als ehemaliger Designchef war er mehr als vier Jahrzehnte gestalterisch für die Marke mit dem Stern tätig. Bis zu seinem Ruhestand im März 1999 hat er das Design von Mercedes-Benz Automobilen so nachhaltig geprägt wie niemand vor ihm. Am 6. März 2007 nahm ihn die European Automotive Hall of Fame in Genf auf in den Kreis verdienter und herausragender Persönlichkeiten, die ihr Leben dem Engagement für die individuelle Mobilität gewidmet haben. Für Sacco ist es die zweite Auszeichnung dieser Art, im Oktober 2006 wurde er bereits in Dearborn/USA in die dortige Automotive Hall of Fame aufgenommen.

 

Der damals 24-jährige Bruno Sacco findet 1958 den Weg nach Stuttgart nicht zufällig. Wenige Jahre zuvor war im Stuttgarter Unternehmen überhaupt erst die Abteilung „Stilistik“ gegründet worden. Die Leitung der noch recht kleinen Abteilung ist klar definiert: Sie soll Entwurfsprozesse neuer Mercedes-Benz Automobile überwachen und Leitlinien für deren Formgebung formulieren.


Schon im ersten Jahr seiner Lernphase erlebt Bruno Sacco, wie Designer von Mercedes-Benz dem Zauber eines Modetrends erliegen. Die 1959 eingeführten Limousinen der Mercedes-Benz Baureihe W 111 tragen Heckflossen, wie erstmals die Ghia-Studie „Gilda“ auf dem Turiner Automobilsalon 1955. Nahezu jede nordamerikanische Marke übernimmt dieses Design-Element in seine Modellneuheiten der Folgejahre, trennt sich aber auch ebenso schnell wieder davon. Der Lernprozess bei Mercedes-Benz führt 1961 später zu einer Coupé-Version dieser Modellreihe, die nicht nur eines der schönsten Mercedes-Benz Automobile, sondern für viele Fachleute eins der attraktivsten Autos aller Zeiten wird.


 

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Untrennbar mit der Marke Mercedes-Benz verbunden: Bruno Sacco.

 

 

Abgelöst werden die Heckflossen-Modelle der Oberklasse im Jahre 1965 von den technisch sehr ähnlichen Mercedes-Benz Typen 250 S, 250 SE, 300 SEb und 300 SE lang der Baureihen W 108 und W 109. Das Design der neuen Modelle verzichtet auf modisches Beiwerk und überzeugt durch schlichte Eleganz. Die sehr erfolgreichen Modelle werden bis 1972 gebaut und von der S-Klasse W 116 abgelöst.


Unter Leitung des genialen Konstrukteurs Béla Barényi wachsen in der Nachkriegszeit konstruktive Sicherheitsmerkmale in Mercedes-Benz Personenwagen, die der Marke einen nachhaltigen Vorsprung im Wettbewerbsumfeld sichern. Es entstehen zahlreiche Sicherheitskarossen zu Studienzwecken. Barényis Empfehlungen folgt auch der von Sacco formal geprägte Mercedes-Benz 230 SL von 1963, der als sogenannte "Pagode" unsterblich wird.

 

Mercedes-Benz Design in den Händen von Bruno Sacco

 

Im Jahr 1974 übernimmt Bruno Sacco die Leitung des Bereichs Design-Entwicklung Mercedes-Benz und erarbeitet neben aktuellen Projekten auch Zukunftsperspektiven, die über die nächsten Jahrzehnte hinausweisen. Schon 1978 überrascht seine Abteilung mit einem Diesel-Rekordwagen, der aerodynamisch motivierte, scharfe Karosserielinien aufweist. Technische Innovationen und Designkreativität finden in ihm so ausdrucksstark zusammen wie in keinem Projekt der Marke zuvor. Zahlreiche Design-Elemente finden schließlich ihren Weg in neue Serienmodelle der späten 1970er und frühen 1980er Jahre. Die präzisen Kanten und Linien, die parallel zu den so genannten Flusslinien verlaufen, prägen das Design des späteren Mercedes-Benz 190.


Der "kleine Mercedes" schlägt Ende 1982 für die Marke Mercedes-Benz ein neues, erfolgreiches Kapitel auf. Die bisher ausschließlich für die oberen Segmente zuständige Marke präsentiert die so genannte Kompaktklasse als eine völlig neue Fahrzeugklasse unterhalb der etablierten Mercedes-Benz Limousinen. Der neue Viertürer spricht Kunden an, die sich erstmals einen Personenwagen mit dem Stern leisten können. Er überzeugt nicht mit Status orientierten Stilelementen des Luxussegments, sondern mit funktionellen: Seine maßvolle Keilform mit klaren Lichtkanten, die markanten C-Säulen und der hohe, abgekantete Kofferraum stehen im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion und finden viele Nachahmer. Auch die kleine Falte im Dachbereich gerät in den Fokus. Sie erfüllt aerodynamische Funktion.

 

 

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Der "kleine Mercedes" (E 190) trägt die unverkennbare Formensprache von Bruno Sacco.

 

 

Als zweites Meisterwerk der neuen Zeitrechnung begeistert der Mercedes-Benz SL des Jahres 1989 (Baureihe R 129). Sein ebenfalls neues Design visualisiert die Dynamik des Roadsters durch vollendete Proportionen und sportliche Details. Die lange Motorhaube, zur Straße hin abfallend, die A-Säulen als stilistische Fortsetzung der vorderen Radhäuser, das kraftvoll kurze Hardtop und die aerodynamisch weich fließenden Flanken formen ein in sich ruhendes Energiepaket von formaler Langlebigkeit.


Wie keine andere Modellreihe prägt die Mercedes-Benz S-Klasse die Markenwerte Innovation, Sicherheit, Komfort und Statusorientierung. Die S-Klasse der Baureihe W 140 von 1991 verabschiedet sich von traditionellen dekorativen Elementen und strahlt durch klar gegliederte, schnörkellose Flächen nicht nur zeitgenössische Aktualität, sondern auch Überlegenheit und Zuverlässigkeit aus. Ihren innovativen Charakter betonen diagonal geteilte Rückleuchten sowie die völlig neu gestaltete Kühlermaske. Sie ist erstmals in die Motorhaube integriert und komplett von Metall eingefasst. Der Stern sitzt auf der Haube und nicht länger auf der Chrom-Maske.

 

Perfektes Einfügen in die Produktpalette

 

Der auf Anhieb erfolgreiche Mercedes-Benz 190 wird im Jahre 1993 von der komplett neuen C-Klasse (W 202) abgelöst. Sie gilt als letzte Modellreihe, die konsequent der 1980 vorgestellten, im Vergleich zu anderen Automobilmarken strengen Mercedes-Benz Design-Philosophie folgt. Wohl wissend um die wachsende Komplexität der Mercedes-Benz Wertewelt in Folge der anstehenden Produktoffensive, lockert Bruno Sacco die Gesetzmäßigkeiten der Design-Philosophie. Durch eine Differenzierung der Kühlermasken ist man um eine übersichtliche Struktur bemüht. Gleichzeitig werden vom Design produktspezifische neue Scheinwerfer-Radhaus-Pakete geschnürt, um die Eigenständigkeit der Modellreihen zu stärken. Die Zäsur wird mit Erscheinen der E-Klasse der Baureihe W 210 im Jahre 1995 öffentlich. Das so genannte Vieraugen-Gesicht der Coupé-Studie des Genfer Automobilsalons von 1993 geht damit in Serie.

 

 

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"Eine Sensation am Sportwagenmarkt": Der SLK Roadster, 1996.

 

 

Dass die Studie von Genf im Jahre 1997 ins neue Mercedes-Benz CLK Coupé (C 208) mündet, verwundert damals nurmehr wenige Skeptiker, die einen Exklusivitätsverlust der Marke Mercedes-Benz fürchten. Sie werden durch die starke Individualität, die harmonische Verbindung von purer Fahrfreude und den eleganten Auftritt, aber auch durch die harmonische Integration des Viersitzers in die Mercedes-Benz Produktfamilie von seiner Existenzberechtigung überzeugt. Das ein Jahr später vorgestellte CLK Cabriolet unterstreicht diesen Anspruch weiter: der Mercedes-Benz CLK hat eine eigenständige Modellreihe etabliert.


Mercedes-Benz wagt mit der Anfang 1997 präsentierten M-Klasse (W 163), die Eleganz eines Kombis mit der herben Sportlichkeit eines Geländewagens zu vereinen. Es gelingt, große Bodenfreiheit mit Rädern in weiten Radhäusern sowie eine erhöhte Sitzposition der Passagiere in eine Designsprache zu kleiden, die deutliche Anleihen bei Mercedes-Benz Limousinen zeichnet. Der neue Mercedes-Benz ML gerät zu einem "Sport Utility Vehicle" (SUV) der gehobenen Klasse.


Eine Sensation am Sportwagenmarkt wird 1996 der neue Mercedes-Benz SLK (Baureihe R 170). Der neue Roadster orientiert sich an der ästhetischen Qualität des größeren Bruders Mercedes-Benz SL, zitiert mit Powerdomes auf der Motorhaube aber auch Stilmerkmale des legendären 300 SL von 1954. Seine langgestreckte Form mit kurzen Überhängen vorn und hinten symbolisiert den Wunsch, vorwärts zu drängen. Das innovative Klappdach setzt im modernen Automobilbau neue Maßstäbe in den Disziplinen formale Kreativität, Alltagstauglichkeit und Funktionssicherheit.

 

 

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Bruno Sacco am Steuer eines von ihm gestalteten Mercedes.

 

 

Risikofreudige Innovation und markentreues Design


Bruno Saccos These, dass erst die Verbindung von risikofreudiger Innovation und markentreuem Design zu einem trendbestimmenden und langlebigen Produkt führe, wird nach der Mercedes-Benz Kompaktklasse erneut durch die 1996 vorgestellte A-Klasse (W 168) bestätigt. Die neue A-Klasse spiegelt in avantgardistischer Form innovative Technik wider. Sie fasziniert mit Detaillösungen, die stilistisch wie funktionell zukunftsweisend sind. Das ungewöhnliche Verhältnis von Fahrzeuglänge zu Fahrzeughöhe führt zur einzigartigen Variabilität im Innenraum. Die Front- und Heckgestaltung stärkt den jugendlichen Charakter. Der doppelte Unterboden kann diverse, zukunftsorientierte Antriebsformen aufnehmen. Über die vielen praktischen Einzellösungen der neuen Mercedes-Benz A-Klasse hinaus wirkt ihre Gesamterscheinung sympathisch und charmant. Sie dokumentiert wie kein anderer Mercedes-Benz zum ausklingenden Jahrtausend den Mut der Markenverantwortlichen, ganz neue Wege in Technik und Design einzuschlagen.

 

Die S-Klasse des Jahres 1998 (Baureihe W 220) ist die im Wortsinn große Abschlussarbeit von Bruno Sacco. Als seidig-eleganten, durchtrainierten Athleten lässt er den Innovationsträger der Marke auftreten. Die traditionelle Frontpartie mit integralem Stossfänger formt die Limousine zu einer Skulptur. Front- und Heckscheibe sind stärker als bisher geneigt und lassen die Limousine niedriger und schlanker erscheinen. Das weltweit geschätzte Mercedes-Charisma gewinnt durch seinen starken Auftritt eine neue Dimension. Fernab distanzierender Arroganz wirkt die Mercedes-Benz S-Klasse selbstbewusst und individuell. Sie erzeugt eine neue Qualität distinguierter automobiler Souveränität.


Bruno Sacco geht im März 1999 in den Ruhestand. Doch der Geist des ersten wirklichen Design-Strategen der Marke Mercedes-Benz wirkt fort im Designbereich. Auf der Gratwanderung zwischen Innovation und Markentradition befindet sich in der Nachfolge Bruno Saccos nun Peter Pfeiffer, der die Trendsetter-Funktion des Mercedes-Benz Designs in einer Zeit fortschreibt, die von einer explodierenden Neuheitenvielfalt geprägt wird. Die wachsende Individualisierung der Menschen verlangt in immer kürzeren Zyklen nach innovativen automobilen Konzepten. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Modellvielfalt bei Mercedes-Benz nahezu verdreifacht. Peter Pfeiffers große und neue Aufgabe besteht nicht nur darin, neue Trends zu kreieren, welche die Marke Mercedes-Benz über kurzfristige Modeströmungen hinweg tragen. Die neuen Mercedes-Benz Raumkonzepte in Form der B-Klasse und R-Klasse dokumentieren erfolgreich sein Ziel, in neue Dimensionen der Mobilität vorzustoßen.




 

 

 

 

 
 
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