14. Mai 2007
Daimler trennt sich von Chrysler
Es sollte ein "Reich werden, in dem die Sonne nie untergeht", eine "Hochzeit im Himmel", eine global operierende "Welt AG". Heute hat der Vorstand von DaimlerChrysler nach 9 glücklosen Jahren die Ehe mit der Chrysler Group geschieden und damit die teuerste Reise der Wirtschaftsgeschichte beendet.
Der Weltkonzern DaimlerChrysler ist Geschichte. Mit dem Verkauf des US-Autobauers Chrysler an den US-Finanzinvestor Cerberus zieht Daimler einen teuren Schlussstrich unter neun Jahre Ehe mit Milliardeneinbussen. Cerberus übernimmt für 5,5 Milliarden Euro gut 80 Prozent an Chrysler. Daimler wird mit 20 Prozent der Anteile weiterhin am Verluste schreibenden US-Unternehmen beteiligt bleiben, um gemeinsam begonnene PKW-Projekte für die eigene Marke Mercedes-Benz abzusichern.
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"Daimler-Benz braucht mich mehr als ich Daimler-Benz": Übermütige Worte von Jürgen Schrempp am 7. Mai 1998, dem Tag der Fusion der beiden Autobauer. |
Die Scheidung wird die Bilanz des Stuttgarter Unternehmens in diesem Jahr mit weiteren 3-4 Milliarden Euro belasten, da der Grossteil des Kaufpreises Chrysler zufliesst, um das Unternehmen weitgehend schuldenfrei an den neuen Besitzer zu übergeben. "20 Jahre Missmanagement und katastrophale Unternehmensbeteiligungen haben den Stuttgarter Konzern", so die Berechnungen des Manager Magazins, "mehr als 60 Milliarden Euro gekostet - Geld, dass hoffnungsvolle Aktionäre dem Konzern geliehen hatten, um es zu mehren und nicht um es zu vernichten."
Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche sagte an der Medienkonferenz, er sei davon überzeugt, eine gute Lösung für Daimler und Chrysler gefunden zu haben. "Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Daimler und für Chrysler geschaffen".
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2004: Als Folge der Milliardenverluste bei Chrysler müssen 10.000 Mercedes-Mitarbeiter gehen und die einstige stolze Marke Mercedes wird selber zum Sanierungsfall. |
Cerberus Chef John Snow zeigte sich zufrieden mit den Plänen und hiess Chrysler in der Cerberus-Familie willkommen. Cerberus Capital Management - eine der grössten Private Investment Firmen der Welt - hält Beteiligungen im Wert von über 23 Milliarden Dollar an über 50 Unternehmen. Beraten wird Cerberus unter anderem von Wolfgang Bernhard. Bernhard ist ehemaliger DaimlerChrysler Topmanager und einer der grössten Kritiker des Mergers vom 7. Mai 1998. Er könnte nach dem Verkauf eine führende Rolle bei Chrysler einnehmen.
Snow dankte DaimlerChrysler für die Verantwortung, die das Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt für diese amerikanische Ikone übernommen habe. Er sei sich bewusst, dass "Chrysler vor erheblichen Herausforderungen" stehe. Er glaube aber an die Umstrukturierung und ihren Erfolg und er werde "diese Pläne unterstützen auf dem Weg nach vorne".
Über einen Abschluss der Transaktion wird im dritten Quartal an einer ausserordentlichen Hauptversammlung entschieden. Dann wird die Trennung auch im Namen vollzogen: aber Herbst will man sich wieder Daimler AG nennen.
Quellen: DaimlerChrysler, Reuters, Manager Magazin, DPA (Bilder)




